Ordonanzhaus (Patrizierhaus in der Schusterstraße)
Ordonanzhaus Ansicht vor 1912Um den Altstädtischen Markt herum konzentrieren sich auffallend große Parzellen. Hier wohnten im Mittelalter die reichsten Bürger der Stadt. Diese einflussreichen Patrizierfamilien besetzten nicht nur den Rat, sondern hatten sich auch erblich andere wichtige städtische Ämter gesichert. Nur sehr wenige mittelalterliche Wohngebäude dieser sozialen Oberschicht sind erhalten. Das sicher schon zu seiner Erbauungszeit um 1300 herausragende Wohnhaus einer Patrizierfamilie sollte daher bereits 1912 wegen seiner außerordentlichen Bedeutung zum Museum für den Historischen Verein umgebaut werden. Das mit 15 Metern ungewöhnlich breite und hoch aufragende Steinhaus erhielt zur Schusterstraße einen markanten Pfeilergiebel, wie er um diese Zeit in den Städten an der Ostsee (z.B. in Stralsund) modern wurde. Auch der Grundriss und die Details dieses ältesten Bürgerhauses im Land Brandenburg erinnern an die gotischen Patrizierhäuser der Hansestädte. Der Bauherr war vermutlich als Fernhändler und Vertreter Brandenburgs in der Hanse mit den Metropolen im Norden gut vertraut.
Den Namen „Ordonnanzhaus“ erhielt das Gebäude erst im 18. Jh. als das Haus Unterkunft für die Infanteriekommandos war und zu deren Beköstigung diente. Ordonnanzen nannte man die zur Bedienung der Gäste abkommandierten Soldaten. 1840 wurde im Ordonnanzhaus eine städtische Zwangsarbeit- und Armenanstalt eingerichtet, in der 1844 täglich über 70 Arme und Waisen versorgt wurden. 1884 wurde die zu klein gewordene Armenanstalt um ein modernes Gebäude erweitert (Schusterstraße 7).
Die Altstädter e.V.

